Landvermessungen – Franz Kafka und das Landleben

Landvermessungen – Franz Kafka und das Landleben. Hg. v. Marc Wiland und Manfred Weinberg. Bielefeld: transcript 2024. 500 S. ISBN 978-3-8376-7149-0.

rezensiert von Viviane Radtke

Urbanität und Moderne werden kulturgeschichtlich oft zusammengedacht und die Großstadt somit als Lebenswelt par excellence des modernen Individuums verhandelt, an dem sich die fragmentierenden, überfordernden Erfahrungen aufgrund zunehmender Technisierungen und Beschleunigungen kulturgeschichtlich erfassen lassen. Es wundert daher nicht, dass diese am Werk Franz Kafkas in der Forschung öfter besprochen wurden als die Darstellung und Bedeutung des Ländlichen und Provinzialen, das gemeinhin als einer Modernität widerstrebend verstanden wird. Die Moderne aber kann erst durch die Betrachtung beider strukturell verbundener Seiten ganz zur Erscheinung kommen: so ist Fortschritt ohne Bewahrung nicht denkbar, Globalität nicht ohne Lokalität und eben auch Stadt nicht ohne Land. Umso mehr dringt der vorliegende Sammelband über ländliche Topografien bei Franz Kafka im doppelten Sinne in ein wenig betretenes und durchaus unwegsames Gelände vor: Bei Kafkas Land handelt es sich, wie der Band in vielerlei Hinsicht kenntlich macht, freilich nicht um eine eindeutig bestimmbare Größe mit klaren symbolischen Zuweisungen.

Der hier besprochene Band Landvermessungen. Franz Kafka und das Landleben, herausgegeben von Marc Weiland und Manfred Weinberg, ist 2024 im transcript Verlag in Bielefeld in der von Weiland und Werner Nell herausgegebenen, interdisziplinär ausgerichteten Reihe Rurale Topografien erschienen. Die Publikation bietet eine umfangreiche Sichtung von Kafkas Werk im Hinblick auf ländliche Topografie.

Der Sammelband umfasst Beiträge von 22 Autoren und Autorinnen sowie ein poetisches Schlussstück des tschechischen Autors Jaroslav Rudiš. Er bietet somit diverse Zugänge in die Landschaften Kafkas: Biographisch orientierte Beiträge nähern sich dem Werk über Tagebücher und dokumentierte Landaufenthalte Kafkas (Sommerfeld, Haude, Stach, Strehlow); das Verhältnis von Stadt und Land zueinander perspektivieren Amann, Weinberg, Twellmann sowie Mihály, Fromholzer, Strehlow und Wutsdorff. Der Zugang über Räume und Raumverhältnisse steht bei Mihály, Crescenzi, Weiland, Vogl, Schmitt, Krings und Sommerfeld im Vordergrund, ebenso wie die zeitliche Dimension der Modernisierung bei Nell und auch bei Crescenzi. Zahlreiche Beiträge erschließen das Werk über die Bestimmung von dörflichen und ländlichen Lebensweisen (Sauer, Nell, Liebrand, Fromholzer, Twellmann, Brinkmann, Charvát, Wutsdorff), Haude und Stach dringen über die Tierwelt in Kafkas Ländlichkeit vor. Krings perspektiviert das Land unter dem Aspekt des Verfalls jüdischen Lebens in der Moderne und zuletzt bieten Drobe, Schmitz-Emans und Schmitt diverse intermediale Werkzugänge – etwa über Adaption und Rezeption oder Inszenierung von Kafkas Landwelten. Durch die methodische Vielfalt wird der Vielschichtigkeit des Gegenstandes erfolgreich beigekommen, um, wie die Herausgeber es formulieren, zu einer „(Neu-)Evaluierung der Rolle, die das Ländliche und die Provinz in Franz Kafkas Leben und Schreiben“ spielen, beizutragen (Weiland/Weinberg, 13). Die Ergebnisse sind nicht minder divers als die Zugänge, jedoch kristallisieren sich zentrale Erkenntnisse über Kafkas Land heraus:

Eingangs steht eine Untersuchung Csilla Mihálys, die herausarbeitet, dass die Raumverhältnisse in ihrer Gestaltung „keinen statisch fixierten […] Status haben“ (Mihály, 54), sondern dass sich die Stadt- und Landbilder „als bewegliche Metaphern für die Alternationen der inneren Welt“ (ebd., 65) der Protagonisten Kafkas verstehen lassen. Diese Beobachtung bildet, indem sie die Grenze zwischen Stadt und Land als nicht trennscharf erachtet, sondern von einer Verschränkung (ebd.) ausgeht, eine zentrale Basis für das Verständnis von Kafkas Ländlichkeit, die häufig im vorliegenden Band fokussiert wird: immer wieder wird akzentuiert, dass Kafkas Landdarstellungen von einer Mehrdeutigkeit gekennzeichnet sind, nicht zuletzt, dass sie „als ambivalente Modelle [fungieren], in denen sich die Gegenwartserfahrungen und -erkundungen Kafkas erzählerisch verdichten“ (Weiland/Weinberg, 13). Diese Ambivalenz wird am Beitrag Lars Amanns besonders deutlich, der den Stadt-Land-Komplex bei Kafka als eine „poetische Dialektik“ (Amann, 136) erachtet. Dem städtischen Aspekt spricht er hier grundsätzlich eine „rationale[…] Beurteilung“ zu, der sich das Ländliche entziehe (ebd., 135), was zu einer „Konfrontation von Bestimmtheit und Unbestimmtheit“ (ebd., 142) führe. Unordnung und Unbestimmtheit bilden somit Aspekte des Ländlichen, die immer wieder hervorgearbeitet werden. Demnach fungiert bei Filip Charvát, der Beim Bau der Chinesischen Mauer u.a. in seiner Stilistik untersucht, China als Chiffre für das Unbestimmbare (vgl. Charvát, 294). Hier, wie bei Amann, markiert das Dörfliche das Negativ des Rational-Logischen, wobei Charvát insgesamt von einer „Leere“ im Zusammenhang mit der Bedeutung Chinas spricht (vgl. etwa 293). Angesichts der grotesken Unordnung, die in der Landarzt-Erzählung jederzeit hereinzubrechen droht, stellt Manfred Weinberg, der Kafkas Landarzt-Erzählung Arthur Schnitzlers Traumnovelle gegenüberstellt, fest, „die einzige Hinsicht, die sich zur Ordnung anbietet, ist die der umfassenden (möglichen) Unordnung, vor der keine Konstellation gefeit ist.“ (Weinberg, 321) Es zeigt sich hier sehr pointiert die Unbestimmbarkeit und Unfassbarkeit des Ländlichen sowohl für die städtischen Figuren der Erzählungen als auch für den modernen Leser, der die Verhältnisse auf dem Land genauso wenig kennt wie die häufig aus der Fremde kommenden Figuren (vgl. hierzu auch den Beitrag von Marcus Twellmann, der die Soziologie des Fremden perspektiviert, der aus der Stadt in eine geordnete archaisierte Dorfgemeinschaft kommt, [vgl. Twellmann, 418]). Das Land fungiert somit zwar als Gegenteil zu allem Geplanten, Organisierten, Zivilisierten und Vernunftgeleiteten der Stadt, entzieht sich aber dennoch kontinuierlich jeder Kategorisierung, Vermessung und Erfassung von Seiten der Forschung, sodass eine binäre Zuordnung schwierig bleibt.

Neben der Unbestimmbarkeit arbeitet Charvát darüber hinaus überzeugend „die polare Beziehung zwischen ländlicher Peripherie und kaiserlichem Zentrum“ heraus, wobei es sich um einen „Widerspruch zwischen der mythischen Zeiterfahrung der Dorfbevölkerung und dem linearen rationalen Zeitbewusstsein des Bericht-Erstatters“ handele (Charvát, 302). Hieran zeigt sich also im Gegensatz zu den oben erwähnten Ambivalenzen im Stadt-Land-Paar eine Differenz zwischen beiden – einerseits das Mythisch-Archaische, andererseits das Rational-Moderne – die sich auch im Protagonisten der Chinesischen Mauer beobachten lässt, da auch er „gespalten [ist]: Einmal spricht er als volkstümlicher und engagierter Maurer, einmal als intellektueller Völkerkundler mit objektivem Abstand.“ (Ebd.) So wie einige Beiträge die Verschränkung von Stadt und Land hervorheben (vgl. auch Liebrand), fokussieren andere die Unterschiede. Hierzu zählt auch der Beitrag von Beate Sommerfeld, die die Konstitution des Ruralen in Kafkas Tagebüchern vor einem zeitgeschichtlichen Hintergrund betrachtet; vor diesem seien die Bedürfnisse nach „archaischen, mythisierenden oder symbolistischen Reterritorialisierungen“ (Sommerfeld, 159) dominant. Wo demnach eine Romantisierung in der Ländlichkeitsdarstellung zu erwarten wäre, legen bei Kafka „die Miniaturen bäuerlichen Lebens […] die hierarchische, patriarchalische Struktur ruraler Räume offen und lassen den dörflichen Mikroraum als ein Feld von Kräften und latenter Gewalt erkennbar werden“ (ebd., 160); demnach begegne in Kafkas Notizen ein „respektlos[er] Geist, der die Brüche innerhalb des idealen Bildes bäuerlichen Lebens hervortreten lässt“ (ebd.). Hieran schließt eine zentrale Beobachtung an: Mehrfach wird eine Andeutung und Vorausweisung auf eine Idylle besprochen, die bei Landdarstellungen erwartbar wäre. Genau dadurch wird der unbedingte Bruch mit derselben in Kafkas Werk deutlich, denn seine Texte belebt nicht der konträre Gegensatz Stadt-Land/Moderne-Archaisches etc., sondern die Wahrnehmung des ortlosen, desorientierten und zutiefst verunsicherten modernen Individuums prägt beide Lebenswelten in unterschiedlicher Weise.

Hervorzuheben ist somit die ausbleibende Idealisierung und Romantisierung des Ländlichen in Kafkas Werk; vielmehr handele es sich um „keine Heimeligkeit der Gemeinschaft in ursprünglich gebliebenen Dörfern; keine Sehnsucht nach einer Ganzheit von Mensch und Natur in romantischen Landschaften“, sondern um eine „Ausdifferenzierung der Ländlichkeitsbilder und Umkehrung vermeintlicher Gewissheiten“ (Weiland, 220). Demnach werden beide Lebenswelten in ihrer Spezifik bedrohlich – eine Idylle ist vergeblich zu suchen. Stattdessen zeigt sich das Land nicht selten als groß, weit, hierarchisch streng geordnet, hart und intolerant. Dennoch arbeiten insbesondere Irina Wutsdorff und Falk Strehlow eine Annäherung an das idyllische Momentum heraus. Wutsdorff erkennt den Garten zurecht als Verbindungsbereich an, der als domestizierte Natur „den Gegensatz zwischen Stadt und Land, zwischen Natur und Kultur aufzuheben [scheint], und der zugleich auf die Labilität eines solchen Gleichgewichts der Gegensätze“ (Wutsdorff, 212) verweist. Ihr gelingt in ihrem Beitrag die Betrachtung des ständig schwankenden und sich verschiebenden Stadt-Land-Paares vor dem Hintergrund eines Sich-in-der-Welt-Fühlens. So präsentiert sie zwei Prosastücke in Kafkas Werk, denen es gemein ist, dass eine Figur aus der Stadt „Verwunderung darüber“ zeigt, „dass andere es verstehen, sich in der Welt einzurichten, ihren Platz in der Welt zu finden und einzunehmen, fest im Leben zu stehen“ (ebd., 213). Was der Beitrag Mihálys als Exposition des Bandes formuliert, überführt Wutsdorff hier in eine textnahe Analyse, indem die inneren Welten der Figuren als Ursache für die konkreten Beschreibungen von Stadt und Land identifiziert werden. Hierin geht sie jedoch keineswegs von einem binären Denken in dem Stadt- und Landgegensatz bei Kafka aus, sondern betont, dass genau die „trügerisch harmonische Überwindung von Gegensätzen“ (ebd.) in seinen Texten kontinuierlich infrage gestellt würde. Strehlow hingegen widmet sich dem Tagebucheintrag Verlockung im Dorf, wobei das Ländliche hier bereits im Titel als möglicher Sehnsuchtsort markiert ist. Der Weg des Ich aus dem Prosastück „wandelt auf den dörflichen Wegen einer Topologie des Misstrauens hinein in deren U-Topie“ (Strehlow, 254). Es wird mit dem Land ein Sehnsuchtsbild evoziert, ja eine Sehnsuchtsrichtung aufgerufen, die sich – wie Strehlow am Ende als Frage aufwirft – auch auf den tatsächlichen Leser und somit auf etwas außerhalb des Textes, vielleicht auf die Zukunft, richten könnte. Doch die Ländlichkeit, die hier die Sehnsucht aufruft, erweist sich dem Städter als „Zerreißprobe eines schmerzlichen Kontrastbildes“: Er kann mit seinem „exotistisch hermetisierten Blick“ nur der Voyeur der ersehnten Harmonie und Liebe sein. (Ebd., 260) So wie bei Wutsdorff steht also auch bei Strehlow eine Sehnsucht im Zentrum, die das Land hervorruft – nur noch in gesteigerter, schmerzlicherer Form, da der ersehnte Fluchtpunkt greifbar nah erscheint.

Das Land fungiert einerseits als Gegenbild zur technisierten, informationsüberladenen und lebensfeindlichen Stadtumgebung, andererseits können gerade auch die Darstellungen des Ruralen als Reaktion auf Moderne und Modernisierungsprozesse verstanden werden. Darauf verweisen auch die Herausgeber, wenn sie schreiben, es gälte, die „Vorstellung, die literarische Moderne spiele sich vor allem und ausschließlich in den Großstädten […] ab“ (Weiland/Weinberg, 13), kritisch zu hinterfragen. Dass Kafkas Darstellung sich dem naiven Idyll nicht anbiedert, wurde bereits besprochen – im Gegenteil, auch sein Land zeichnet sich durch Bedrohlichkeiten etwa in Form von archaischen und hierarchischen Strukturen aus. Hierzu etwa Franz Fromholzer, der überzeugend die gewaltsame Intervention der wissenschaftlich und analytisch operierenden Stadt im Erzählfragment Der Dorfschullehrer darstellt. Die räumlich-kulturelle Situation wird hier zum Schauplatz einer Ausübung von Macht gegenüber dem Dorf, nicht zuletzt, da die dörfliche Perspektive nur scheinbar artikuliert ist, aber die eigentliche Diskursherrschaft vom städtischen Kaufmann vertreten wird (vgl. Fromholzer, 266). Indem die Dominanz sich zuletzt als genau umgekehrt erweist und die städtische Machtphantasie am „Unveränderliche[n] und Stumme[n]“ (ebd., 277) des Dorfschullehrers scheitert, macht die Untersuchung zentrale Eigenschaften der Stadt, mit all ihren Attributen und Bedeutungszuweisungen, gegenüber dem Land deutlich: Wille zur Herrschaft, gewaltsame Penetration, Überlegenheitsphantasien, die zuletzt die eigene Unzulänglichkeit offenlegen. Denn Fromholzer stellt fest, in der Erzählung triumphiere „[d]as Alte […] über das Junge, das bodenverhaftete, statische, persistente Landleben über die städtische Existenz“ (ebd., 278) – auch hier scheint dem Land gegenüber der Stadt der Vorzug gegeben zu sein, jedoch zum Sehnsuchtsort wird es bei Kafka (fast) nie.

Luca Crescenzi identifiziert den hierarchischen und gewaltvollen Aspekt des Landes bei Kafka als Verdrängung des Primitiven: demnach stelle das „primitiv aussehende Landleben das Verdrängte der Zivilisation“ dar und sei „eine Sphäre, in der Gewalt, Wildheit und Leben uralte Formen annehmen.“ (Crescenzi, 98) Ein ähnliches Motiv beschreibt Werner Nell in der Figur der Gespenster, die durch ihre „volkskulturelle Ausgangslage […] vielfach auf Erfahrungen, Vorstellungen und Überlieferungen aus vormodernen Lebenswelten“ hinweisen (Nell, 112). Die Dorfbewohner als „anachronistische Überbleibsel der Vormoderne“ (ebd., 129) weisen somit in Gestalt der „Land-Gespenster“ auf „die Ungeheuerlichkeit eines Deutungs- und Handhabungsanspruches“ der Moderne hin, der, wie Nell formuliert, „auf Planung und Bestimmung des Unbestimmbaren abzielt“ (ebd., 130).

Die Perspektivenvielfalt des Bandes erreicht, was dieser anstrebt – eine Erfassung der „symbolischen Ländlichkeiten wie auch der ländlichen Symboliken“ (Weiland/Weinberg, 14) im Gesamtwerk Kafkas. Auch wenn die Kafka-Forschung sich häufig, wie Reiner Stach anmerkt, in eine selbstreferentielle „Meta-Rezeption“ zu entwickeln scheint, die „sich mit Problemen [beschäftigt], die sie wesentlich selbst hervorbringt“ (Stach, 185), ist hier durch den klar eingegrenzten Untersuchungsgegenstand mitsamt formulierten Zielen ein Erkenntnismehrwert gesichert worden. Denn gerade da, wo die übermächtigen, unsichtbaren Auswüchse der kafkaesken Welt in Form von bürokratischen, juristischen, undurchschaubaren Institutionen und urbanen Lebensräumen, die den Figuren feindlich erscheinen und sie ratlos zurücklassen, nicht den Raum bestimmen, sondern eine unbestimmte archaische Leere, die in der ruralen Topografie verortet ist, bietet sich ein ebenso produktiver Blick auch auf das städtische Setting und seine Bedeutung – gerade die Betrachtung des Anderen vermag den Blick auf den eigenen Standpunkt zu schärfen.

Über Kafkas Werk hinausgehend zeigt der Band, dass die Darstellung von Ländlichkeit für die Erfassung von Reaktionen auf Modernitätsphänomene durchaus zentral ist: etwa indem sie eine Art Zufluchtsraum vor den beschleunigten urbanen Zentren markiert, denen gegenüber das Land als „Ausweg“ (Weiland/Weinberg, 15) erscheint. Hierbei handelt es sich auch bei Kafkas Land häufig um Erscheinungen „aus den kultur- und ideengeschichtlich tradierten Bildern“ (ebd., 16), die eben aufgrund der zunehmenden Modernisierung Konjunktur haben. Dennoch vollzieht sich der Umschlag zum Zufluchtsort niemals ganz: Die Möglichkeit, auf dem Land Ruhe oder Sicherheit zu finden, wie etwa Josef K.´s Onkel es im Prozess impliziert, scheint nicht gegeben, denn dafür ist Kafkas Land in seinen Eigenheiten zu bedrohlich und von anderer Härte als die städtischen Settings. Der Umschlag in „Inklusion und Harmonie“ (Strehlow, 254), der vom Land zuweilen aufgezeigt wird, findet nie statt – einen Ruheort und Erholungsraum bietet Kafka somit weder seinen Figuren noch seinen Lesern und Leserinnen. Der Titel des Bandes mag verlockend klingen, doch die Ländlichkeit Kafkas gibt weitere Rätsel auf, anstatt den dichten und beengenden Bildern der Stadt eine Pause und Entwirrung zu verschaffen. Der Band kann das Verständnis für Kafkas Werk vielleicht insofern vertiefen, als die Moderne Kafkas keinen Ort für Idylle kennt.

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